„Die Welt neu denken“ unter diesem Motto lädt der Bauhaus Verbund dieses Jahr ein, das Bauhaus neu zu entdecken, die Historie und deren Bedeutung für heute.

In Deutschland bestand das Bauhaus nur ganze 14 Jahre in Weimar, Dessau und Berlin bevor es 1933 von den Nazis geschlossen wurde. Deren Lehrer und Schüler gingen ins Ausland, um dort die Ideen umzusetzen und den heutigen Ruhm erst zu begründen.

Feiern wir das Bauhaus heute als Ausgangspunkt der Moderne, wegessen wir oft, dass schon weit vorher u.a. in der Arts and Crafts-Bewegung, dem Deutschen Werkbund, den russischen Konstruktivisten und De Stijl ähnliche Fragen wie im Bauhaus diskutiert wurden. Sollte die Form immer der Funktion folgen, wohin gehört der Gestalter, ist Design Kunst oder Handwerk oder gar serientauglich? Schon in diesen Bewegungen gab es viele Vordenker der Bauhausschule. So setzte sich im Bauhaus ab 1919 die Diskussion dieser Fragen eher fort.

Vertrat Walter Gropius als 1. Direktor 1919 bei Gründung der Kunsthochschule die Auffassung, Architekten und Künstler müssten zum Handwerk zurückkehren (der Name Bauhaus, spielt auf die gotischen Bauhütten der mittelalterlichen Kathedralen an, bei denen Handwerk und Kunst verschmolzen waren), wollte er weg von der Industrialisierung, herrschte später die Idee der schnörkellosen, funktionalen Einfachheit, Standardisierung und der industriellen Serienfähigkeit vor.

War das Bauhaus anfangs eher elitär, bürgerlich und männlich geprägt, esoterisch durchzogen und noch freigeistig, sollten die Ideen später nur noch funktional und ökonomisch sein und der breiten Bevölkerung zu Gute kommen, erschwingliche Möbel und Inneneinrichtungen, sozialer Wohnungsbau. Das Dogma des 2. Bauhaus Direktor lautete: „Alles Leben ist Funktion und damit unkünstlerisch.“ Der vorherrschende rechte Winkel bedingte eine gewisse Uniformität und Monokultur. Liberal und nach Achtung des historisch Gewachsenen klang das nicht. Und auch die breite Masse erreichten die teuren Produkte eher nicht, die bis heute als Lifestyleprodukte in wohlhabenden Kreisen gekauft werden.

Das Bauhaus, Anfang der 30er Jahre zunehmend unter Druck der politischen Verhältnisse, hatte sich eher der Karriere statt der Kritik verschrieben. Bis heute berühmte Vertreter dienten sich sogar den Nazis an. Erst mit der Schließung und Emigration derer Vertreter nach Israel oder Amerika gewann das Bauhaus an internationaler Bedeutung.

Spätere innovative Möbelentwürfe von z.B. Breuer, Mies van der Rohe, Gropius oder die weißen Stadtquartiere an den Boulevards Dizengoff und Rothschild in Tel Aviv werden heute als Bauhaus-Design und Vorreiter der modernen Architektur gefeiert.
Die Kritik ist verflogen, die „Neue Sachlichkeit“, einfache, rechtwinklige Formen, viel Glas, Stahl und luftige Entwürfe gelten seitdem als besonders „demokratisch und modern“.  Auch wenn sie nicht auf „einer Bauhausidee“ basieren, zeigen sie, dass gut durchdachtes Design, handwerklich auf hohem Niveau angefertigt und nicht dem Laienhaften überlassen, ästhetisch lange Bestand hat und für „modern“ steht. Fundamentale Fragen: Wie wollen wir leben, wie wohnen? sind auch heute hochaktuell.
Kontrovers diskutiert, immer den Menschen und die soziale Komponente im Blick könnte das Bauhaus Denkrichtungen vorgeben, die 100 Jahre später allerdings nicht nur pragmatisch gedacht, sondern auch ästhetisch verbessert werden müssten.